Nach einem kurzen Prozess wird die verhaftete Elsbetha Widmer aus dem Marbach-Quartier in Thalwil am 13. August 1597 lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Fünf Jahren zuvor hat sie, Mutter von mehreren Kindern, ihr jüngstes Kind nach schwerer Arbeit in den Reben tot unter der Bettdecke in der Wiege gefunden. Die Aussagen der Nachbarn und anderer Prozesszeugen haben den Richter schnell von der Schuld der Mutter am Tod ihres Kindes und von ihren teuflischen Machenschaften überzeugt.

Hexenverbrennung im Marbach

Elsbetha Widmer, eine junge Witwe, besitzt ein Heimwesen mit einem kleinen Weinberg im Marbach in der Nähe von Rüschlikon. Sie muss viel arbeiten, um ihre vielen Kinder zu ernähren. Daneben findet sie kaum Zeit am Sonntag auch noch in die Kirche zu gehen. 
Von Zeit zu Zeit taucht ein junger, fremder Mann im Marbach auf. Der Unbekannte hilft ihr ab und zu bei der harten Arbeit oder schnitzt Haselstauden vor ihrem Haus. Bald geht er bei der jungen Witwe ein und aus. 
Nachbarn behaupten gesehen zu haben, dass der unheimliche Fremde ihr Goldmünzen gegeben habe und anschliessend mit ihr im Haus verschwunden sei. Auch hätten sie beim teuflischen Wesen gespaltene Klauen festgestellt. 
Einmal seien zwei arme Kinder vorbeigekommen und hätten in Gottes Namen um Almosen gebeten. Wutentbrannt soll der Fremde ihnen Haselschosse gegeben haben. Mit lautem Getöse und starkem Windrauschen vom Haus sei er plötzlich wie vom Erdboden verschwunden.

Wieder einmal nach einem harten Arbeitstag im Rebberg findet Elsbetha Widmer eines ihrer Kinder erstickt und tot unter der Wiegendecke. Die Behörden verdächtigen die junge Frau des Mordes, verhaften sie und sperren sie im Wellenberg in Zürich ein.

Am Prozess werden ihr zwei weitere Delikte zur Last gelegt: 
Im Sommer hat am oberen Zürichsee ein heftiges Gewitter getobt und einen grossen Schaden angerichtet. Die verheerenden Gewitterschäden werden den teuflischen Kräften der jungen Witwe und ihres Liebhabers angelastet; denn nach Zeugenaussagen hätten es die beiden während des Gewitters in einem nahegelegenen Wald dämonisch miteinander getrieben. 

Ein anderes Mal hatte die junge Frau die Kühe des Nachbarn gehütet. Das Gericht beschuldigt sie nun, dass sie die Kühe jeweils mit verteufelten Haselruten von der Weide in den Stall getrieben hätte, und dass dann die Kühe keine Milch mehr gegeben hätten.

Trotz ihrer Unschuldsbezeugung wird die junge Witwe zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt und am 13. August 1597 bei lebendigem Leib verbrannt. Durch diese Folter gab sie dann endlich ihre Schuld zu.

Zwei ihrer Freundinnen werden der Komplizenschaft verdächtigt und auch sie werden wegen Hexerei und Mittäterschaft vor das Strafgericht gestellt und hingerichtet.


Text: Urs Amstutz
Quelle: Hexenprozesse mit Todesurteil/Staatsarchiv bearbeitet Otto Sigg; Mehr: LINK

Lyon am Zürichsee wurde Thalwil einst wegen seiner Seidenproduktion genannt. Die Zeugnisse aus der glanzvollen Geschichte der international erfolgreichen Weberei Schwarzenbach sind seit 2011 im Landesmuseum und in der Zentralbibliothek archiviert und ausgestellt. 

Seidene Tschadors aus Thalwil

Im Jahr 1832 wurde die Seidenweberei Näf & Schwarzenbach in Thalwil gegründet. 1870 arbeiteten gut 1200 Handweber für das Unternehmen. 1877 hatte man ein eigenes Büro in London, später folgten Niederlassungen in Lyon, Berlin, New York, Como und Mailand. 1928 war Schwarzenbach mit 28'000 Angestellten weltweit der grösste Schweizer Konzern, ein Grossteil des Umsatzes wurde in den USA erzielt. Nach diesem Höhepunkt kam der abrupte Fall, ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise sowie einen unternehmerischen Fehlentscheid: Man setzte weiter auf Seidenproduktion und vernachlässigte die Kunstseide. Der Umsatz ging um 80 Prozent zurück, die Verluste wurden mit riesigen Zuschüssen aus dem Familienvermögen wettgemacht.

Während des Zweiten Weltkriegs produzierte Schwarzenbach Fallschirmseide für die kriegführenden Nationen. Als guter Kunde blieb Japan, allerdings nur bis zur Ölkrise 1973. In den letzten Jahren des Bestehens wurden vor allem Tschadors

exportiert. François Schwarzenbach erinnert sich: 
«Für Saudiarabien musste die schwarze Seide einen rötlichen Schimmer haben, für den Iran einen Graustich». Doch inzwischen produzierte die Konkurrenz in Korea Tschadors halb so teuer. 1981 war das Ende der Textil-Ära Schwarzenbach in Thalwil besiegelt, der Fabrikbetrieb wurde eingestellt. 1983 wurden die Gebäude abgebrochen, auf dem Gelände entstand die Siedlung Marbach.

Die Jahresberichte, Verträge und Kassabücher sowie die umfangreiche Geschäftskorrespondenz, alle schriftlichen Zeugnisse sind in der Zentralbibliothek Zürich archiviert.

Die wertvollen Musterbücher dieser weltberühmten und einst erfolgreichen Seidenindustrie von Thalwil werden im Landesmuseum aufbewahrt.

Quelle: Tagesanzeiger; Mehr: LINK

Obwohl der Zurichsee zwischen Thalwil und Erlenbach liegt, geht es nicht ohne Fopperei – So spotteten die Erlenbacher uber die Thalwiler und nannten sie Halbfüdeler.